Kalte Dusche für deine Gesundheit

kalte Dusche
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Die kalte Dusche: Kaltes Wasser ist der Doktor der Natur! Dieser simple und doch so wertvolle Leitsatz stammt von dem berühmten Arzt Dr. Sebastian Kneipp, der sich selbst im 19. Jh. durch kurze Bäder in der eiskalten Donau von der Tuberkulose geheilt hatte. Seine sog. „Kneipp-Bäder“ oder „Wasser-Kuren“ waren unseren Groß- und Urgroßeltern sicher ein Begriff.

Und jetzt, im fortgeschrittenen Zeitalter der Medizin und Technik, kommen wir wieder darauf zurück. Kaltes Wasser zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Denn es stimmt tatsächlich: der Aufwand ist gering, die „Therapie“ simpel, und die Wirkungen vielseitig und faszinierend!

Was ist also dran, an dem kalten Fußbad, oder für Fortgeschrittene: an der kalten Dusche?
Zunächst einmal geht es um einen simplen Kälte-Reiz, den man sich jederzeit über kaltes Wasser (im Winter auch über Schnee oder kalte Außentemperaturen) zu Leibe führen kann.

Kalte Hände, kalte Füsse? Kalte Dusche!

Kaltes Wasser? Kalte Dusche? Brrrrr….. Was so ungemütlich klingt, ist nichts anderes als reine Gewohnheitssache (tatsächlich, ich spreche aus Erfahrung).

Wenn man überlegt, so waren wir in früheren Zeiten viel öfters und viel intensiveren Temperaturschwankungen ausgesetzt, die es seit der Einführung der Zentralheizung und Klimaanlagen kaum noch gibt. Also wohin ist unsere Fähigkeit verschwunden, Körpertemperatur schnell und effektiv regeln zu können? Körperfett effektiv als Wärmeregulator zu nutzen und zu verbrennen? In die Bequemlichkeit und Behaglichkeit der beheizten Wohnungen, Autos, Busse, Büros, Fitness-Studios …. Fortschritt oder Rückschritt? Für unsere Gesundheit leider letzteres, vor allem die Schilddrüse, das Organ der Thermoregulation schlechthin, leidet offensichtlich. Oder wurde Dir auch schon Deine Schilddrüsenunterfunktion als „ganz normal“ und kalte Hände und Füße als „klassisches Frauenproblem“ beschrieben? Normal? Keinesfalls!

Also hier die gute Nachricht: Du kannst es wieder ändern, Schritt für Schritt! Du kannst zum Fettverbrennungsmotor werden, zum eigenen Heizofen. Und ganz nebenbei auch noch eine bessere Schlafqualität, erhöhte Hormonwerte, bessere Schmerztoleranz, niedrigeren Blutzucker und eine schönere Haut bekommen.

Wie nutze ich die kalte Dusche für mehr Energie?

Also, schauen wir uns das Ganze mal genauer an.… Der erste Widerstand gegen Kälte, der sich bildet, ist natürlich im Kopf: und genau hier findet auch eine entscheidende Weiterentwicklung statt. Wenn ich mich öfters und bewusst einer mir unangenehmen Situation wie Kälte aussetze – die aber extrem positive Auswirkungen auf den gesamten Organismus hat – werde ich bald auch in Alltagssituationen ähnliches Verhalten zeigen. Ungemütlichen Situationen mit mehr Gelassenheit begegnen, öfters mal die eigene Komfortzone verlassen und einen Schritt weitergehen! Mut für ungewohnte Aktionen, die vermutlich positive Folgen haben könnten! Erweiterung des eigenen Horizonts durch die Integration neuer Ideen und Verhaltensweisen … Klingt doch eigentlich genauso, wie wir insgeheim öfters gerne sein würden.

Des Weiteren kommen nun ungemein viele und faszinierende Wirkungen auf körperlicher Ebene dazu.
Als erstes – logisch – eine verbesserte lokale Durchblutung, je nach Anwendungsbereich, Füße, Beine oder Arme. Bei der kalten Dusche oder dem kalten Tauchbad (geht prima nach der Sauna) profitiert davon der ganze Körper und somit die gesamte Hautoberfläche. Ein wunderbares Anti-Aging Konzept und Kreislauftraining in einem.

Mehr Durchblutung und Wärme durch die kalte Dusche

Die lokale Aktivierung und Durchblutung regt in Folge die betreffenden Reflexzonen an (bei den Fußbädern sämtliche Organe) und ebenso das vegetative Nervensystem in seiner Regulierungsfähigkeit. Also auch wenn ich nicht komplett kalt dusche, sondern zunächst nur die Beine kalt abspüle, hab ich schon einen deutlichen Mehrwert. Ideal, um mich in kleinen Schritten an die Kaltwasseranwendungen zu gewöhnen.

Gleich zum Thema Beine: müde, schwere, geschwollene Beine, nicht nur im Sommer? Den ganzen Tag sitzend im Büro? Hier hilft öfters oder täglich Wassertreten (geht auch super in Brunnen oder kalten Bächen) und meine Gefäße werden es mir danken. Das perfekte Training für die Eng- und Weitstellung der Gefäße, die mit der Zeit immer schneller reagieren und sich anpassen können.

Ebenso der Kreislauf: Allein durch das Wassertreten mit den Füßen (etwa Kniehöhe, und Füße dabei abwechselnd aus dem Wasser heben) kommt der Kreislauf in Schwung. Deutlich mehr und ein richtiges Kreislauftraining wird es dann mit der kalten Dusche (Duschzeit allmählich verlängern). Dabei empfehle ich zunächst warm und gemütlich zu beginnen und dann allmählich die Temperatur herunterdrehen. Achtung, beim kalten Duschen gleichmäßig und tief Atmen! Das beruhigt wiederum unser Nervensystem und unseren Kopf…. Keep cool, es ist ja nur kaltes Wasser, weiter nichts.

Physiologie der kalten Dusche

Nun ein paar interessante Fakten, die das Thema der kalten Dusche erst recht interessant machen. Unser sog. Braunes Fettgewebe (BAT von brown adipose tissue), das den gleichen Stammzellen entspringt wie die Muskulatur, sorgt für Wärmeproduktion und den Erhalt der Körpertemperatur in Ruhe. Muskeln sorgen ebenso dafür, aber vermehrt während der Bewegung. Und eben dieses BAT können wir prima „anheizen“, indem wir uns gezielt der Kälte aussetzen. Weil es uns eben vor Unterkühlung schützen soll. Logisch, eigentlich. Wenn Du also Dein Körperfett gezielt reduzieren willst, kannst Du das über Bewegung (Kraft vor Ausdauer, erstmal Muskeln aufbauen und dann benutzen, sonst leidet evtl. der Bewegungsapparat) und über Kälteanwendungen. Da wir beides heutzutage meist zu wenig tun – weil nicht notwendig – sind unsere BAT und Muskelzellen verkümmert.

Also, hilf ein bisschen nach und aktiviere die Selbstheilungskräfte Deines Körpers: ein bisschen intensive Bewegung, am besten draußen (da wo es mal heiß und mal nass und mal windig und mal kalt ist) und gleich danach (erst lauwarm, dann) kalt duschen. Oder gleich ein kurzer Sprung in den Bach da draußen. Kann alles zur Gewohnheit werden! Und durch die Anregung des Stoffwechsels kommt gleich noch ein weiterer Effekt dazu: die Regulierung von Entzündungen! Auch hier kann die Kältetherapie in Form von Kaltwasseranwendungen Linderung schaffen: Hautleiden, Infektanfälligkeit, Migräne, Gelenksbeschwerden, Schlafstörungen etc. Vielen weiteren chronischen Krankheitsbildern liegt eine sog „silent inflammation“ (stille Entzündung) zugrunde, die nicht ausheilen kann, weil bestimmte Botenstoffe fehlen.

Wie auch hier: damit Dein BAT überhaupt funktioniert, muss die Schilddrüse (wie war das noch mit der Unterfunktion?) das Signal dafür freigeben. Das bedeutet, aktives T3, ein Schilddrüsenhormon, sorgt im BAT für die Ausschüttung von Thermogenin (welch sinnvoller Name!), was wiederum die Fettverbrennung in den Mitochondrien einleitet.

Was heißt das nun für mich?

Sorge dafür, dass genug aktives T3 vorhanden ist: reichlich Eiweiß essen, damit die Schilddrüse ihr Tyrosin bekommt und dann mit Hilfe von Eisen, Jod und Selen aktives T3 bilden kann. Zum Beispiel über Nahrung aus dem Meer , denn hier kommt die Verbindung von Eiweiß, Jod, Selen und Eisen gleich zusammen: Meeresfische, Algen, Muscheln, Krabben, etc….

Bewegung in verschiedenen Intensitäten (Kraft, HIT, Ausdauer, Yoga…), und das am besten draußen.
Öfters mal „Intermittent fasting“, um dem Körper wieder beizubringen, die Reserven zu mobilisieren.
Und, den Körper abhärten und seine ursprünglichen Funktionen wiederherstellen: kaltes Wasser an die (warmen) Füße, oder langsam auch von Kopf bis Fuß. Fußbad, Dusche, Tauchbad… wie es Dir gefällt.

Also, viel Freude beim Kälte trainieren und dem unbeschreiblichen Wärme-Wohlgefühl danach.

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Christina Leipold
Christina Leipold

widmet sich seit Jahren dem Thema Gesundheit. Sie lebt und liebt Bewegung in allen Formen, Essen in allen Farben und Sonnenstrahlen auf der Haut. Über das Sportstudium kam sie zum Pilates, Yoga und zur klin. Psycho-Neuro-Immunologie. Als Bewegungstherapeutin integriert sie ganzheitliche Ansätze aus der evolutionären Gesundheit, die den Menschen eigenverantwortlich zu einem gesunden Körper und Geist verhelfen. Die Leidenschaft für den Paleo-Lifestyle teilt sie in Workshops und Vorträgen mit ihrem Kollegen Michael.