Immunsystem für Dummies

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Die kalte Jahreszeit ist für ein schwaches Immunsystem verantwortlich. Sagt man. Neigst Du zu chronischen Infekten oder anderen unschönen Dingen? Bist Du Dauerbesucher der Hausapotheke und kennst Du Deine Apothekerin aufgrund von Allergien und rinnender Nase besser als so manche Freunde? Dann kann dieser Artikel hilfreich für Dich sein.

Das Immunsystem von Anfang an

Wusstest Du, dass schon der Stress der Mutter in der Schwangerschaft auf Dein Immunsystem einwirkt? 1 Und dass ein Kaiserschnitt ein Kind ein Leben lang prägt? 2 Zumindest hast Du schon davon gehört, dass Stillen die Entwicklung des Immunsystems Ihres Babys fördert und ein natürlicher Prozess ist. 3 Allerdings ist dies alles aus verschiedenen Gründen teils heute nicht mehr möglich.

Viele kleine Menschen kommen schon gestresst zur Welt und haben es dann im Laufe ihrer Zeit nicht gerade leicht, was die Kommunikation mit der nahen Umwelt angeht. Allergien, Unverträglichkeiten und ständige Infekte sind ihre Begleiter. Das angeborene Immunsystem ist somit nicht kompetent genug. Das hat natürlich Auswirkungen auf die erworbene Immunität.

Abgesehen davon werden unendlich Antibiotika verschrieben. Diese schon im Kindheitsalter erhalten, prägt alleine schon eine einzige Gabe die Präsenz von bestimmten Bakterien und bestimmen so die Entwicklung des Mikrobioms (genetischer Code Ihrer Darmbakterien) und somit des Immunsystems. 4

Das Immunsystem verstehen

Hier siehst Du eine kleine Grafik, welche in Kürze Dein Immunsystem erklären soll

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Viel davon spielt sich an den Oberflächen der Schleimhäute ab. Nur ca. 5% macht die Barrierefunktion der Haut aus. Wie Du natürlich schon längst weißt, ist Darmgesundheit also essentiell für ein funktionierendes Immunsystem. Natürlich kommen noch Faktoren des persönlichen Lebens dazu, welches zur Ausprägung des Immunsystems beitragen. Dazu gehören auch Impfungen, Ernährung und das Bewegungsverhalten.

Auch den Barrieren von Mund, Rachen, Lunge und des Urogenitaltrakts kommt große Bedeutung zu. Wenn Du also unter ständigen Blaseninfektionen leidest, dann nur, weil Du es den Bakterien noch möglich machst und Dein System schwach ist. Es können einfach nicht die Abwehrmechanismen hochgefahren werden, weil keine Ressourcen zur Verfügung stehen.

Im Normalfall hält sich das Immunsystem die Waage. Wie bei allem im Leben – man könnte es als universelles Gesetz bezeichnen – geht es um die Balance. Kleine und auch mal größere Abweichungen aus der Mitte stellen für ein gut adaptiv geprägtes Immunsystem kein Problem dar. Es findet wieder in die Mitte.

Doch lange Abweichungen, Strukturverlust, chronischer Stress und ständige Ernährungsfehler lassen das Werk kippen. Zumeist geschieht das in eine Richtung. Der Th1 Weg (Th kommt von T-Helferzellen) wird schwach, während der Th2 Weg die Überhand nimmt. Das Fiese dabei: Diese genialen Erfindungen der Natur hemmen sich gegenseitig. In anderen Worten: Wenn Du schon eine Allergie hast, kann es sein, dass Du noch eine bekommst und zusätzlich mit der Zeit infektanfällig wirst, da zytotoxische T-Zellen die Antigene in Form von Viren und Bakterien nicht zerstören können.

Plötzlich können sich auch ein Epstein-Barr Virus (EBV) und Herpes (Fieberblasen) ausbreiten, was vom Immunsystem in Balance nicht ermöglicht wird. Viele freie Radikale (ROS – Sauerstoff, Stickstoff) erschweren Dir und Deinem Körper das Leben. Nebenbei wird das Gehirn belastet und Dein Energiebedarf steigt an. Übergewicht kann das Resultat eines chronisch aktiven Immunsystems sein, nicht mehr Du alleine bestimmst nun, welche Nahrung gewählt wird. Das ist Stress! Die Stimmung ist im Keller.

Tumorale Geschehen, also Krebs, sind eine logische, langfristige Folge dieser Dysbalancen. Wenn keine passenden Immunantworten gefunden werden und nicht mehr anständig differenziert werden kann – dann machen sich bestimmte Prozesse selbstständig.

Dein Immunsystem wendet sich gegen Dich

Autoimmunität ist eine andere Geschichte. Hierbei greift der Körper sich selbst an. Stark vereinfacht: Das kann erst geschehen, wenn die Barrierefunktion der Schleimhäute außer Takt ist, Leaky Gut entsteht und Antigene (z.B. aus Nahrung)  in die Blutbahn kommen, die dort nichts zu suchen haben. Diese Proteine lösen dann eine Kreuzreaktion im Immunsystem aus, da körpereigenes Gewebe den Antigenen ähnelt. Diesen Begriff nennt man molekulare Mimikry. 5

Ein prominentes Beispiel ist M.Hashimoto und Gluten aus Getreide. Gluten verhält sich im Immunsystem wie Schilddrüsengewebe bzw. dessen Transportproteine für Hormone und somit wird vom Immunsystem sicherheitshalber beides zerstört. 6

So siehst Du deutlich den Zusammenhang von Nahrung und Deinem Immunsystem. Das ist sehr wichtig.

Nebenbei werden die Zellkraftwerke, ihre Mitochondrien geschwächt. Diese Produzenten von Energie (ATP) sind bakterienähnlichen Ursprungs und können vor allem bei der Gabe von Antibiotika massiv geschwächt und reduziert werden. Das alles ist sehr ungünstig – im wahrsten Sinnen des Wortes. Dein Immunsystem wird teuer, das heisst, es zieht Dir Energie ab. Und das, obwohl Du sie an anderer Stelle brauchen könntest.

Unterstütze Dein Immunsystem

Um diese Waage wieder ins Gleichgewicht zu bringen haben sich verschiedene Ansätze bewährt. Dazu ist es wichtig zu wissen, mit welchen Substanzen das Immunsystem arbeitet. Ebenso eignet sich ein Immunstatus (Th1/Th2), welcher über Speziallabore angeboten wird. Auch die Versorgung mit Mikronährstoffen im Vollblut macht Sinn zu testen. Dazu mehr in einem Artikel über Laborwerte von mir.

Wichtige Faktoren:

  • Säure Basen Gleichgewicht
    In einem ausgeglichenen pH-System fühlen sich alle Zellen wohl, auch Deine Immunzellen. Mehr bald in einem neuen Artikel.
  • Eiweiß
    Protein ist die Basis für viele Vorgänge im Körper und dessen Struktur. Ebenso brauchst Du ausreichend davon (v.a. Glutamin, Arginin, Cystein) für Dein Immunsystem und als Vorstufen für Prozesse der Antiradikalisierung und des Zellaufbaus. Hier findest Du eine kleine Auswahl an Zusatzprodukten.
  • Zink
    Ein Zinkmangel wirkt sich erheblich auf die Funktion des Immunsystems aus. 7 Die Versorgung mit Zink MUSS gesichert sein. Es unterstützt den Th1 Weg zusammen mit Selen
  • Selen
    Selen ist ein wichtiger Baustein zur Funktion von Glutathion (Enzym Glutathion-Peroxidase), einem starken Antiradikal in uns. 8 Ebenso ist es als Co-Faktor des Schilddrüsenhormons essentiell, was wiederum die Energiebereitstellung betrifft.
  • Probiotika, Prebiotika
    Mittlerweile ist die Wirkung von guten Darmbakterien mehr als gesichert. Kümmere Dich also um Darmgesundheit und merke Dir: Es muss nicht unbedingt im Darm Symptome machen, dass dieser nicht ordentlich funktioniert. Es kann sich zuerst im Immunsystem bemerkbar machen. Auch auf der Haut oder hormonell. Gerade bei einem turbulenten Start ins Leben (Kaiserschnitt, keine Muttermilch, Stress, Antibiotika) kommt dieser Intervention höchste Bedeutung zu.9 Denn chronische, entzündliche Darmerkrankungen und Allergien sind kein Spaß wie Du vielleicht weißt.
  • Vitamin A
    stärkt das erworbene Immunsystem und die Bildung von Schleimhaut durch Bildung von T-Zellen zusammen mit
  • Vitamin D
    welches sehr regulatorisch auf Th1 und Th2 wirkt. Zudem kann Cathelicidin (natürliches Antibiotikum) nur unter der Anwesenheit von ausreichend Vitamin D gebildet werden. 10
  • Omega 3
    Der Versorgung der Zellen mit ausreichend Omega 3 Fettsäuren kommt große Bedeutung zu. Wenn Du meine Artikel regelmäßig liest, weißt Du, warum ich das sage.

Natürlich gehören noch ein paar andere Komponenten dazu, doch diese aufgeführten Faktoren gehören grundlegend berücksichtigt. Findest Du hier eine Auswahl an Produkten von ausgewählten Partnern, welche ich zum Teil selbst verwende und gerne weitergebe.

  1.  Handschin, Maria Salome. “Gestresst geboren.” (2015).
  2.  Poßner, M. “Auswirkung des Geburtsmodus auf die Gesundheit des Kindes.” Pädiatrie & Pädologie 48.4 (2013): 14-17.
  3.  Aulenbach, Julia. “T-Zell-Zytokinexpression bei gestillten vs. nicht-gestillten Kindern.”
  4.  Korpela, Katri, et al. “Intestinal microbiome is related to lifetime antibiotic use in Finnish pre-school children.” Nature communications 7 (2016).
  5.  Dannecker, Günther, and Norbert Wagner. “Definition und Pathogenese der Autoimmunkrankheiten.” Pädiatrie. Springer Berlin Heidelberg, 2014. 747-749.
  6.  Akcay, M. N., and G. Akcay. “The presence of the antigliadin antibodies in autoimmune thyroid diseases.” Hepato-gastroenterology 50 (2003).
  7.  Prasad, Ananda S. “Zinc in human health: effect of zinc on immune cells.” MOLECULAR MEDICINE-CAMBRIDGE MA THEN NEW YORK- 14.5/6 (2008): 353.
  8. Muss, Claus. “Immunologische Störungen des T-Zell-assoziierten Immunsystems durch Mangel an essentiellen Spurenelementen Selen, Zink und Kupfer.” Erfahrungsheilkunde 51.04 (2002): 264-271.
  9. Iburg, M. “Das Immunsystem des Darmes. Aufbau, Funktion und Moeglichkeiten der Beeinflussung.” Lohmann Information (1997).
  10.  Liu, Philip T., et al. “Toll-like receptor triggering of a vitamin D-mediated human antimicrobial response.” Science 311.5768 (2006): 1770-1773.
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Michael
Michael

kam über die Physiotherapie zur klinischen Psycho-Neuro-Immunologie. Die eigene Geschichte veranlasste ihn, immer tieferes Verständnis über Geist, Emotion und Nahrung zu erleben und danach herzoffen weiterzugeben. Als "GEN-Schalter" schreibt und inspiriert er hier und öffentlich, um Mut für gesunden Erfolg und selbstbestimmte Freiheit zu machen.