Mit LCHF zum Idealgewicht

Tipps für eine gesunde Ernährung
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Die Reduktion von Kohlenhydraten (low-carb, LCHF) als Mittel der Gewichtsreduktion ist bei Weitem keine neue Idee. Ende des 19. Jahrhunderts schrieb William Banting seinen „Letter on Corpulence“.

William Banting lebte in London des späten 19. Jahrhunderts und war dort als Bestatter tätig. Er war schwer übergewichtig und alle Versuche abzunehmen waren erfolglos.

Low-Carb (LCHF) – ein altes Konzept, neu entdeckt

Auf Anregung des Londoner Arztes William Harvey, begann Banting mit einer speziellen kohlenhydratreduzierten und fettreichen Diät. Die Idee dafür, hatte Harvey von einem Pariser Arzt namens Claude Bernard. Bernard verwendete eine kohlenhydratreduzierte Ernährung für Diabetes Management. Er verbot seinen Patienten Brot, Gebäck, Nudeln, Reis und Süßes. Dafür durften sie unbegrenzte Mengen an Butter, Sahne, Speck und fettem Fleisch essen. Ketzerei? Zum damaligen Zeitpunkt war eine Ernährungsintervention die einzige Therapieform für Diabetiker, denn Insulin konnte erst ab 1922 in großen Mengen synthetisiert werden.

Banting nimmt durch die LCHF Ernährung erfolgreich ab, und begeistert von dem eigenen Erfolg, schreibt er seine Erfahrungen in einem Büchlein nieder, das er unter dem Titel “Letter on Corpulence, Addressed to the Public” veröffentlichte 1. Obwohl von der medizinischen Gemeinschaft abgelehnt, wurde das Buch ein Bestseller, wurde mehrfach nachgedruckt und über 63.000 Exemplare verkauft. Da er es als unethisch betrachtete, Geld mit dem Leid anderer zu verdienen, spendete er alle Profite für wohltätige Zwecke und stellte eine ausführlichen Abrechnung in der letzten Auflage dar.

Nichts in der Biologie macht Sinn, außer man betrachtet es im Lichte der Evolution

Warum hilft es, Kohlenhydrate zu reduzieren?

In den 1950er Jahren begannen wir Nahrungsmittel nach ihrem Kaloriengehalt zu beurteilen. Fett wurde zum Bösewicht abgestempelt. Schuld an Herzinfarkten und Übergewicht wurde Fett aus unserer Ernährung gestrichen. Womit haben wir das Fett ersetzt? Mit Kohlenhydraten.

Kalorien statt hormonelle Wirkung

Bei all der Hysterie um Kalorien haben wir vergessen, dass Kohlenhydrate, Eiweiß und Fett nicht nur unterschiedlich viel Energie liefern, sondern auch vollkommen andere hormonelle Reaktionen in unserem Körper auslösen. Genau diese hormonelle Reaktion macht sich eine LCHF-Ernährung zu nutze.

Blutzuckerschwankungen und Heißhunger

Egal ob Vollkornbrot, Reis oder Torte, was am Ende im Blut und bei unseren Zellen ankommt, ist Zucker. Gelangt Zucker in den Blutkreislauf, steigt der Blutzuckerspiegel an. Der Körper ist sehr darauf bedacht, den Blutzuckerspiegel in einem relativ engen Bereich zu halten. Sobald also Zucker im Blut landet, muss der Körper dafür sorgen, dass dieser Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt. Die Reguliert der Körper über das Hormon Insulin. Insulin fördert nicht nur die Aufnahme von Zucker in die Zellen, es hemmt auch die Fettverbrennung und fördert die Umwandlung von Zucker in Form von Fett in den Fettzellen. Darum wird Insulin auch als „Masthormon“ bezeichnet.

Ein weiteres Problem ist, dass der Körper meist zu viel Insulin ausschüttet, als überhaupt benötigt wird. Die Folge ist ein Absinken des Blutzuckers unter den idealen Bereich. Wer kennt das nicht? Zwei Stunden nach dem Essen setzt die Müdigkeit ein, man wird vielleicht zittrig und nervös. Das Verlangen nach etwas „Süßem“ steigt. Und so nimmt der Teufelskreis aus Blutzuckerschwankungen und Heißhungerattacken seinen Lauf.

In einem solchen hormonellen Umfeld NICHT zu essen, bedarf fast übermenschlicher Selbstkontrolle und ist auf Dauer nicht durchhaltbar.

Fett verlieren – ohne Qual und Hunger

Was wäre, wenn wir den Körper dazu bringen würden, gerne Fett zu verbrennen? Was wäre, wenn das ohne zu hungern und ohne Kalorien-zählen gehen würde?

Es geht! Wer Kohlenhydrate reduziert und gleichzeitig mehr Fett zu sich nimmt, wird überrascht sein, wie schnell und wie einfach es auf einmal wird, überflüssige Kilos zu verlieren. Das Schöne ist, dass der Gewichtsverlust eher das sprichwörtliche „Sahnehäubchen“ ist. LCHF kann noch VIEL mehr, als Dir bei deinem Kampf gegen das Übergewicht zu helfen.

Eine gut formulierte LCHF-Ernährung wird Deine Schlafqualität verbessern, Du wirst mehr Energie, keine Nachmittagstiefs, keine Heißhungerattacken und keine Stimmungsschwankungen mehr haben.

Wie viele Kohlenhydrate darf ich essen?

Nun kommen wir zur „Gretchen Frage“ – wie viele Kohlenhydrate darf ich essen? Ich würde mir wünschen, es gäbe hier eine einfache Antwort, leider ist es, wie so oft in der Biologie, etwas komplexer.

Die offizielle Empfehlung für low-carb ist, dass Kohlenhydrate unter 50 g pro Tag gehalten werden sollten. Das ist allerdings nur ein ungefährer Näherungswert. Je nachdem wie stark die metabolische Störung ist, kann die Grenze auch eher bei 30 g oder weniger pro Tag liegen. Auf der anderen Seite, gesunde Sportler und sehr aktive Menschen, können teilweise bis zu 140 g und mehr pro Tag zu sich nehmen und immer noch alle Vorteile einer LCHF-Ernährung genießen.

Die Toleranzgrenze für Kohlenhydrate ändert sich. Übergewicht, Stress, Krankheiten, all das beeinflusst, wie gut wir mit Kohlenhydraten zurechtkommen. Da die meisten Menschen in der westlichen Welt seit frühester Kindheit an, mit Kohlenhydraten überladen werden, ist die physiologische Last enorm. Aus diesem Grund finde ich, dass eine grundsätzliche Reduktion von Kohlenhydraten für JEDEN eine sinnvolle und lebensverlängernde Strategie darstellt. Die positiven Effekte einer, zumindest zyklischen ketogenen Ernährung, auf mitochondriale Gesundheit [. Vidali, Silvia, et al. “Mitochondria: The ketogenic diet—A metabolism-based therapy.” The international journal of biochemistry & cell biology 63 (2015): 55-59.], Gehirnfunktion, Alterungsprozesse, Autoimmunerkrankungen 2, Diabetes melitus 3 und Krebs 4 finden sich durch zahlreiche Studien bestätigt.

Neugierig auf LCHF geworden?

Hast Du Lust LCHF nun selber einmal auszuprobieren, aber Du kannst Dir nicht vorstellen auf Brot und Nudeln zu verzichten? Sieh es doch einfach als Experiment. Sag Dir, ich probiere das jetzt mal für 4 Wochen aus und schau, wie es mir geht. Die erste Woche ist oft am härtesten, denn der Zuckerentzug macht vielen sehr zu schaffen. Doch ich kann Dir versprechen, nach der ersten Woche wird es Dir viel besser gehen und Du wirst überrascht sein, wie viel Energie Du auf einmal hast.

  1.  William Banting: Letter on Corpulence. Harrison, 1869. http://www.proteinpower.com/banting/
  2.  Gasior, Maciej, Michael A. Rogawski, and Adam L. Hartman. “Neuroprotective and disease-modifying effects of the ketogenic diet.” Behavioural pharmacology 17.5-6 (2006): 431.
  3.  Accurso, Anthony, et al. “Dietary carbohydrate restriction in type 2 diabetes mellitus and metabolic syndrome: time for a critical appraisal.” Nutrition & metabolism 5.1 (2008): 9.
  4.  Bozzetti, Federico, and Beth Zupec-Kania. “Toward a cancer-specific diet.” Clinical Nutrition (2015).
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Julia Tulipan
Julia Tulipan

Julia ist Magister der Biologie, Dipl. Fitnesstrainer und Mikronährstoffcoach. Ihre Schwerpunkte sind Darmgesundheit, Stoffwechselstörungen, LCHF, low-carb, ketogene Ernährung, Paleo-Ernährung und Mikronährstoffdefizite. Sie möchte inspirieren und anderen Menschen helfen, aus dem Teufelskreis auszubrechen, damit sie ihre Gesundheit selber in die Hand nehmen.