Buchtipp: „Was wir sind und was wir sein könnten“ von Gerald Hüther

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Ein Ausschnitt aus dem Buch von dem bekannten Neurobiologen und Hirnforscher Gerald Hüther:
„Was wir sind und was wir sein könnten“ (Fischer Taschenbuch 2013)

„Der Therapeut braucht Patienten, die daran glauben, dass er sie reparieren, also wieder gesund machen kann. Und die Patienten brauchen Therapeuten, die ihre Erwartungshaltung erfüllen, das ein Profi mit den richtigen Techniken und den richtigen Medikamenten ihre Pumpe oder ihr Gelenk oder ihr Gehirn wieder zum Funktionieren bringt.“

Gerald Hüther spricht in diesem Zusammenhang von einer stark geprägten Vorstellung von Krankheit. Es geht noch weiter und regt sehr zum Nachdenken an:

„Viele Menschen glauben noch immer, dass Gesundheit auf einem besonders hohen Maß an innerer Ordnung beruht und dass Krankheit durch die Störung dieser Ordnung verursacht wird. Sie betrachten den Arzt als Reparateur, der abgenutzte Teile identifiziert, wieder in Gang setzt oder, wenn das nicht geht auswechselt. Ein solcher Patient verhält sich weitgehend passiv. …Wenn die Reparatur geling, sind beide zufrieden und gehen mit einer gefestigten, wenngleich falschen Vorstellung über das, was Krankheit ist, auseinander. Der Rest ist programmiert: Die Symptome treten erneut oder an anderer Stelle wieder auf. Irgendwann ist der Maschinist am Ende seiner Kunst und der Patient, tief erschüttert in seinem festen Vertrauen, wechselt den Arzt, einmal, zweimal, dreimal, traut am Ende keinem mehr und landet unter Umständen bei einem Wunderheiler. Der schafft womöglich sogar das Erhoffte und entlässt den Patienten mit einer modifizierten, aber noch immer gleichermaßen falschen Vorstellung von Krankheit. Das Fühlen, Denken und Handeln eines solchen Patienten bleibt nach wie vor bestimmt von der in seinem bisherigen Leben immer wieder gemachten Erfahrung, dass (fast) alles, was ihm lieb und teuer ist (sein Auto, sein Videorecorder, seine Waschmaschine etc.), wenn es einmal nicht mehr funktioniert, prinzipiell wieder zu reparieren ist. Dieses für Maschinen gültige Reparaturdenken wurde zeitlebens gebahnt und gefestigt, und es wird sich nicht auflösen, solange sich immer wieder jemand findet, der verspricht, den betreffenden Menschen und alles, was ihm wichtig ist, falls erforderlich, zu »reparieren«. Zwischen den Anbietern derartiger Reparaturleistungen und ihren Kunden besteht deshalb eine wechselseitige Abhängigkeit. Der Therapeut braucht Patienten, die daran glauben, dass er sie reparieren, also wieder gesund machen kann. Und die Patienten brauchen Therapeuten, die ihre Erwartungshaltung erfüllen, dass ein Profi mit den richtigen Techniken und den richtigen Medikamenten ihre Pumpe oder ihr Gelenk oder ihr Gehirn wieder zum Funktionieren bringt. Je mehr die Patienten in diesem Reparaturdenken gefangen bleiben, umso stabiler ist die Nachfrage nach entsprechenden Reparaturleistungen und umso besser sind die Verdienstmöglichkeiten für die Vertreter dieser Reparaturmedizin … Das ist ja die innere Überzeugung, eine Einstellung zu sich selbst.“ (S.77f)

Was wir sind und was wir ...von Gerald Hüthermehr Details
Dieses Buch unterstützt jene Menschen, welche an ihrer Selbstbestimmtheit und Kompetenz zur Selbstheilung zweifeln und sich die “sicheren” Inseln der zig-fachen ärztlichen und therapeutischen Richtungen als Lösung denken. Dies, um kurz Ruhe zu schaffen. Die Betonung in diesen Fällen liegt auf kurz … Viel Spaß beim Lesen!

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Michael
Michael

kam über die Physiotherapie zur klinischen Psycho-Neuro-Immunologie. Die eigene Geschichte veranlasste ihn, immer tieferes Verständnis über Geist, Emotion und Nahrung zu erleben und danach herzoffen weiterzugeben. Als "GEN-Schalter" schreibt und inspiriert er hier und öffentlich, um Mut für gesunden Erfolg und selbstbestimmte Freiheit zu machen.