Warum Aktivkohle ein Wunderwerk ist

Aktivkohle
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Kohlekompretten aus Aktivkohle – das waren die kleinen, schwarzen Tabletten, die wir als Kinder immer bekamen, wenn ein Magen-Darm-Problem auftauchte. Durchfall, Übelkeit, Bauchweh … Ich erinnere mich, dass ich die Tabletten beim Einnehmen manchmal zerkaute. Und mich anschließend über eine schwarze Zunge, schwarze Lippen und eine knirschende Substanz zwischen den Zähnen amüsierte. Und genauso erinnere ich mich an die unfehlbare Wirkung, die diese kleinen schwarzen Dinger zeigten. Einschließlich Verstopfung, wenn wir wohl zu viel davon erwischt hatten.

Entgiftung – der erste Weg zur Besserung

Viele alte und bewährte Heilmethoden wie Aderlass (Mondkalender!), Einlauf, Ölziehen oder das Einnehmen/Auftragen von Substanzen, die eine hohe Absorptionsfähigkeit haben (Salze, Heilerde, Aktivkohle), haben eine Wirkungsrichtung gemeinsam: Entlastung des Organismus durch Entgiftung und Ausscheidung von Toxinen, die sich im Körper angesammelt haben. Viele Krankheitssymptome heutzutage sind die Folge einer Überlastung des Körpers durch toxische Substanzen.

Was in der heutigen Welt an (un)bekannten Giftstoffen (sog. Xenobiotika) auf unsere Körper „einprasselt“, war vor hunderten Jahren noch nicht einmal bekannt. Smog, Abgase, Pestizide, Plastik, Baustoffe, Imprägniermittel, Schwermetalle, Konservierungsstoffe, Kosmetika, Impfstoffe und Medikamente belasten und überladen täglich mehrfach unsere Entgiftungskapazität. Dazu kommt, dass die Nahrung selbst – insofern sie denn noch halbwegs naturbelassen ist – deutlich weniger Vitamine, Mineralien, Spurenelement und Antioxidantien enthält. Eine Folge von Monokultur, ausgelaugten Böden, langen Transportwegen und Überzüchtungen.

Wie sollen wir da noch ausreichend Entgiftungskapazität haben? Ganz zu schweigen von unserem Lebensstil,  der das Immunsystem und überlastete Nerven nervt. Vielleicht sollten wir unserem Körper also öfters mal ein paar unterstützende Maßnahmen gönnen.

Was ist Aktivkohle?

Aktivkohle zum Einnehmen, auch oft Pflanzenkohle oder Holzkohle genannt (Achtung, Holzkohle als Brennmaterial ist oft mit anderen Substanzen versetzt!) besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff in einer extrem feinporigen Struktur. Dehydrierte Pflanzenstoffe wie Holz, Torf oder Nussschalen bilden die Ausgangssubstanz. Die innere Oberfläche von 2g Aktivkohle entspricht etwa der Größe eines Fußballfeldes. Entsprechend hoch ist die Bindungsfähigkeit für unerwünschte Gase, Dämpfe und Flüssigkeiten. Verstopfung bei der Einnahme von (zu) viel Aktivkohle ohne ausreichend zu trinken ist also eine logische Folge …

Anwendungsgebiete von Aktivkohle

Effektiv und schnell werden positiv geladene Toxine und Gase im Magen-Darmtrakt durch die negative Ladung der Kohlenstoffatome gebunden und ausgeschieden – was auch an der Dunkelfärbung des Stuhls erkennbar ist. Der unangenehme Blähbauch kann tatsächlich in Minutenschnelle verschwinden und spürbarer Erleichterung Platz machen. Bei Durchfall (v.a. auf Reisen), der durch ungewohntes Essen inkl. „ungewohnter“ Bakterien verursacht wird, kann Aktivkohle schonend und doch wirksam Abhilfe schaffen. [1] Die schnelle Absorptionsfähigkeit von Aktivkohle ist besonders von Bedeutung, wenn man verhindern will, dass sich Toxine, Bakterien etc. bis in das Gehirn ausbreiten.[2] Typische Erscheinungen hierfür sind Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisprobleme, Schwindel etc. nach dem Essen.

Altbewährte Entgiftungsmethode

Aktivkohle gilt auch heute noch als probates Mittel erster Wahl in vielen klinischen Notaufnahmen, um bei Vergiftungen durch Alkohol, organische/anorganische Chemikalien, ungenießbare Pilze, Quecksilber, Blei, Pestizide und Drogen eine schnelle Abhilfe zu schaffen.[3] Je feinporiger die Struktur der Aktivkohle, umso höher und schneller die Absorptionsfähigkeit. Damit zeichnet sich auch ein gutes Präparat aus: ultrafein pulverisierte Aktivkohle aus reiner Pflanzenkohle, möglichst ohne weitere Zusatzstoffe (z.B. in einer Kapselhülle aus pflanzlicher Zellulose), oder als reines Pulver.

Wenn Absorption unerwünscht ist

Bewusstes Einsetzen von Aktivkohle scheint unter den heutigen Umweltbedingungen also durchaus sinnvoll zu sein. Laut einigen toxikologischen Studien kann man sogar sagen, dass Aktivkohle wirklich harmlos und eher förderlich für unsere Gesundheit ist.[4] Also keine unerwünschten Nebenwirkungen (bis auf Verstopfung mangels ausreichender Flüssigkeitszufuhr oder Überdosierung). Vorsicht ist nur geboten, wenn wichtige Medikamente (oder auch Supplemente) eingenommen werden müssen: ausreichend Zeitabstand von 2-3 Stunden lassen, da sonst die Wirkung des Medikaments im schwarzen Pulverstaub verpufft.

Aktivkohle als altes, neues Kosmetikum?

Altbewährt ist Aktivkohle auch zur Linderung bei Insektenstichen, Entzündungen und Hautunreinheiten. Dabei kann aus dem Pulver mit etwas Wasser eine dicke Paste angerührt werden und auf die betroffene Hautstelle aufgetragen werden. Meine favorisierte Gesichtsmaske derzeit besteht aus Aktivkohlepulver, Heilerdepulver, Matcha und etwas Wasser – eine black beauty quasi. Vollständig trocknen lassen und mit kaltem Wasser abwaschen.

Wer noch nicht genug hat, kann Aktivkohle auch zum Zähne putzen verwenden. Etwas schwarzes Pulver auf die (fluoridfreie) Zahnpasta streuen und los geht’s mit dem 100% natürlichen „whitening effect“. Zahnverfärbungen von Kaffee, Tee etc. können tatsächlich durch konsequente Anwendung gemindert werden. Klingt fast paradox, aber ist es wert auszutesten. Der gute, alte Mondkalender beschreibt übrigens Buchenholzasche als das Zahnputzmittel erster Wahl, um eine bessere Mundflora und reine Zähne zu bekommen.

Körpergeruch adé!

Neben der positiven Wirkung von „selfmade“ Aktivkohle-Zahnpasta auf den Mundgeruch – eben durch Absorption von Bakterien in der Mundhöhle – kann ebenso der gesamte Körpergeruch positiv beeinflusst werden. Das Eliminieren von Toxinen über den Verdauungstrakt mittels Aktivkohle entlastet die Entgiftungsorgane Niere, Leber und Haut. Weniger Adrenalin, weniger Neurotransmitter, weniger unangenehmer Körpergeruch.

Und ebenso profitiert unser Gehirn von der Entgiftungsmaßnahme: je älter wir werden, umso sensitiver wird unser Gehirn für Toxine. Regelmäßige Ausleitung toxischer Substanzen könnte also die kognitiven Funktionen stabilisieren.[5]

Eine Empfehlung für ein gutes, heimisches Aktivkohle-Präparat ist übrigens das Birkenkohle comp. von Weleda. Viel Vergnügen beim Selbsttest mit dem schwarzen Gold!

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[1] J. A. Riese and F. Damrac, “Use of activated charcoal in gastroenterology: value for flatulence and nervous diarrhea.” J. Am. Ger. Soc. 12: 500, 1964

[2] K. Kulig, et al., “Management of acutely poisoned patients without gastric emptying.” Ann. Emerg. Med. 114:562-67, 1985.

[3] G. Park, et al., “Expanded role of charcoal in the poisoned and overdosed patient.” Arch. Int. Med. 146: 969-73, 1986.

[4] D.O. Cooney, Activated Charcoal Antidotal and other Medical Uses. Marcel Dekker, New York and Basel, 1983.

[5] Reduction of Human Organchalide Burdens, Foundation for Advancements in Science and Education, Los Angeles, California, 1983.

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Christina Leipold
Christina Leipold

widmet sich seit Jahren dem Thema Gesundheit. Sie lebt und liebt Bewegung in allen Formen, Essen in allen Farben und Sonnenstrahlen auf der Haut. Über das Sportstudium kam sie zum Pilates, Yoga und zur klin. Psycho-Neuro-Immunologie. Als Bewegungstherapeutin integriert sie ganzheitliche Ansätze aus der evolutionären Gesundheit, die den Menschen eigenverantwortlich zu einem gesunden Körper und Geist verhelfen. Die Leidenschaft für den Paleo-Lifestyle teilt sie in Workshops und Vorträgen mit ihrem Kollegen Michael.