Fokus und Aufmerksamkeit

Fokus und Social Media
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Wie geht es Dir mit Deinem Fokus? Mit der Möglichkeit, gezielt und konzentriert bei einer Sache zu bleiben. Von mir kann ich jedenfalls behaupten, dass ich mir diese Eigenschaft des Geistes erst hart erarbeiten habe müssen. Besser gesagt: wollen. Denn ab einem gewissen Zeitpunkt, wo ich gemerkt habe, dass meine Ideen nicht so ganz aufgehen, trat Enttäuschung auf. Auch wenn es verlockend ist, die äußeren Umstände sind es wirklich selten, welche uns das Leben verbauen. So kam ich vor einiger Zeit zu mir zurück und begann diese Entwicklung und die Dinge zu hinterfragen.

Digitale Zerstreuung als Feind von Fokus

Ich besorgte mir Bücher zum Thema Internet und die Wirkung desselben auf uns. Die Chance, mit wirklich allem gleichzeitig in Kontakt zu treten, gibt es noch nicht so lange. Was für mich einst ein Segen war, stellte sich später als Belastung heraus. Durch die ständige Verfügbarkeit von Information, interessanten Blogartikeln, YouTube und den vielen Emails begann sich meine Stimmung zu verändern. Zudem gab es plötzlich Vergleiche mit unbekannten Personen im Netz, welche mir offensichtlich meine Ideen raubten und gemeinerweise auch noch erfolgreich damit waren. Verkehrte Welt!

Gerade, wenn man sich schon in der Früh mit neuen Quellen von Information versorgt und das (im Idealfall) ausgeschlafene Gehirn mit Nachrichten (nach denen Du Dich womöglich noch richtest) bombadieren, kommt es gleich zu Anfang des Tages zum sogenannten Information Overload. Der Fokus ist dahin, da Unmengen an Platz im Gehirn verbraucht wird.

Durch dieses zu-viel-auf-einmal entsteht die Müdigkeit und Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Decision Fatigue sagen die englischsprachigen Mitmenschen dazu. Ihr Dopaminsystem wird immer leicht gereizt, jedes Email, jede WhatsApp Nachricht fördert dieses Verhalten und die subtilen Belohnungsreize machen dann süchtig. Und sie verändern unsere Persönlichkeit. Ob wir wollen oder nicht. Auch wenn wir glauben, alles im Griff zu haben. Wie beim Alkohol – auch nur ein Verhalten.

Und somit belohnen wir uns mit Zerstreuung. Weil unser Gehirn sie sich sucht und sie vor allem so leicht zugänglich ist. So habe ich das gemacht und wurde unglücklich.

Prokrastination und Fokus

Das schöne Wort Prokrastination (lat. procrastinare: vertagen, für-morgen) ist ein Begriff, den ich genauer erklären möchte. Es bedeutet ein extremes Aufschieben von wichtigen Arbeiten und ein unnötiges Vertagen des Arbeitsbeginns, welches durch häufiges Unterbrechen der Arbeiten gekennzeichnet ist. Somit leidet die Fertigstellung der Aufgabe und es entsteht ein enormer Druck, da keine Prioritäten festgemacht werden können.

Darunter leidest Du dann. Als Resultat von Verlust von Fokus. Dein Gehirn verändert sich dazu auch physiologisch und verbraucht mehr Nährstoffe als sonst in Ruhe. Denn dieser Zustand ist Stress. Somit ist es neben dem Bemerken und Korrigieren des Fehlers auch von Nöten, dem Gehirn das zu geben, was es braucht: Brainfood!

Resultate von Zerstreuung und Prokrastination

Durch diese, evolutionär nicht wirklich sinnvolle Tatsache, kommen die Menschen aus der Mitte. Es entstehen sich wiederholende Fehler, das Gedächtnis lässt nach und dies führt zu Frustration und Enttäuschung. Wenn alle Sachen zu einem Zeitpunkt präsent sind, bekommt nichts davon ausreichend Aufmerksamkeit. Dann beginnen die Defizite an allen Ecken und Enden.

Multitasking wird oft als Qualität interpretiert. Vor allem Frauen sollen in der Lage sein, ganz viel auf einmal zu machen. Interessanterweise geht es aber vielen Menschen nicht wirklich langfristig gut damit, wenn sie darauf angesprochen werden. Wir sind nicht mehr wert, wenn wir uns selbst konstant gegen die Wand fahren. Dieser Error im System wurzelt in der Überzeugung des Leistungsgedanken, wo man erst dann Schulterklopfen bekommt, wenn man aus dem letzten Loch pfeift.

Unzufriedenheit, Ärger und Müdigkeit können die Vorboten eines digital unachtsamen Lebens sein, welche sich dann in der gelebten Realität zum Leidwesen für Dich und Dein Umfeld manifestieren.

Krankheit ist die logische Folge dieser Entwicklung, wenn Du nicht vorrangig im Hier und Jetzt lebst, sondern konstant zwischen Vergangenheit und Zukunft springst. Der aktuelle Moment bekommt keine Aufmerksamkeit mehr, auch wenn Du glaubst, Du bist ja dauernd so beschäftigt und im Moment gefangen.

Möglichkeiten für klaren Fokus

Singletasking hingegen ist die Fähigkeit, sich in voller Konzentration auf eine einzige Sache zu konzentrieren. Das geht auch mit kleinen Kindern, wie in einem Job, der Dir viel abverlangt. Dazu bedarf es allerdings einiger Rituale und der Bereitschaft, das ständige, abendliche Fernsehen durch Selbstfürsorge zu ersetzen.

Übungen, welche Dich in den Moment bringen und regelmäßig stattfinden wollen sind

  • Bewusste Atmung
  • Yoga
  • Meditation
  • Körperwahrnehmung von Emotionen
  • Kochen
  • Instrument(e) spielen
  • Gartenarbeit
  • Malen
  • Schreiben

… und noch vieles mehr, was Dich erfreut und die Zeit vergessen lässt. Dadurch lässt auch die Sucht nach Produktivität nach und Du tankst Energie im Moment.

Schalte externe Reize aus, lass die Tageszeitung mit den unwichtigen Geschichten der fremden Menschen links liegen und gehe in die Natur. Wenn Du am Computer arbeitest, öffne nur ein Browserfenster mit einem Tab, damit nicht die Versuchung entsteht, das Fenster zu wechseln. Setze Timer, also Alarm für fokussiertes Arbeiten, damit Du Dich erinnerst, mit was Du gerade beschäftigt bist. Das ist Fokus.

Wenn Du den Fokus verlierst, dann bemerken Du es, bist sanft zu Dir und atmest dreimal tief durch. So kommst Du wieder zu Deiner Aufgabe zurück und kannst weitermachen. Alleine das Abschweifen der Gedanken während einer Tätigkeit wie Kochen kann dadurch erkannt werden und schon bist Du wieder da, wo Du jetzt wirklich bist: Im Jetzt bei Dir!

Mir hat auf diesem Weg u.a. Jon Kabat-Zinn sehr geholfen, die Bedeutung von Mindfulness (deutsch: Achtsamkeit) wirklich zu verstehen und zu integrieren. Doch so wie ein Muskel durch Training wächst, braucht auch klarer Fokus die regelmäßige, in diesem Fall tägliche, Übung, um den Geist zu schulen und wach zu halten.

(M)Ein Beispiel für Fokus

Ich schreibe einen neuen Artikel immer Montag früh. Egal was kommt. Das ist ein Fixtermin, wo sonst nichts ist. Die Internetverbindung ist getrennt, das Telefon ist aus. Meine Vorgabe ist ca. 1000 Wörter. Obwohl ich nie nachzähle, komme ich immer auf diese Summe. Alle 20 Minuten gibt es eine Minipause von 15 Sekunden. Alle 50 Minuten eine Pause von 5-10 Minuten, wo ich von Arbeitsplatz aufstehe. Ich nutze Intervalle, wie im Sport. Das ist es – nicht mehr und nicht weniger. Durch diese Routine werde ich erstaunlicherweise automatisch schneller beim Arbeiten. Somit bleibt jetzt dann noch Zeit, um im Garten den Rasen zu mähen. Und das im wärmenden Sonnenschein. Eine schöne Aussicht durch praktizierten Fokus. Das Dranbleiben trägt Früchte.

Literaturempfehlungen

Wer bin ich, wenn ich onl ...von Nicholas Carrmehr Details
Achtsamkeit für Anfänge ...von Jon Kabat-Zinnmehr Details
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Michael
Michael

kam über die Physiotherapie zur klinischen Psycho-Neuro-Immunologie. Die eigene Geschichte veranlasste ihn, immer tieferes Verständnis über Geist, Emotion und Nahrung zu erleben und danach herzoffen weiterzugeben. Als "GEN-Schalter" schreibt und inspiriert er hier und öffentlich, um Mut für gesunden Erfolg und selbstbestimmte Freiheit zu machen.